Für die geplanten gigantische Unternehmungen waren neben einem Heer aus Arbeitern, Handwerkern und Fuhrleuten auch Tausende von Bergleuten erforderlich. Arbeiter, Handwerker und Fuhrleute konnte man in beträchtlicher Anzahl aus der nahen und weiteren Umgebung nicht zuletzt mit guten Löhnen anwerben und auch anlernen; schwieriger gestaltete sich da schon die Rekrutierung von fachlich guten Bergleuten.
In dieser Situation erinnerte man sich der Harzer Bergbaureviere, in denen es den Bergleuten wegen zunehmender Unrentabilität immer schlechter ging, sodass viele überlegten, nach Australien oder Amerika auszuwandern. So begann ein planmäßiges Anwerben eben dieser Bergleute durch das Ramsbecker Unternehmen. Aus dem Jahr 1854 ist ein solches Anwerbeschreiben erhalten geblieben, das seinerzeit in einigen Harzer Zeitungen erschien.
Im Folgenden wird dieses Anwerbeschreiben auszugsweise wiedergegeben. Es handelt sich hierbei um die Passagen, in denen den Harzer Bergleuten eine Umsiedlung nach Ramsbeck schmackhaft gemacht werden sollte.
Der erste Teil werden die Bedingungen für die Übersiedlung dargestellt; Teil zwei befasst sich mit den Verdienstmöglichkeiten:
1. Teil
Bedingungen unter welchen Pocharbeiter, Berg- und Hüttenleute vom Harz, aus Thüringen, Schlesien, Sachsen und Böhmen für die Dauer ihres Lebens samt ihren Familienmitgliedern in die Dienste der Aktien-Gesellschaft für Bergbau, Blei- und Zinkfabrikation zu Stolberg und in Westfalen angenommen werden.
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Gezeichnet vom Präsidenten Andreas Koechlin, vom Generaldirektor Marquis de Sassenay und vom Betriebsdirektor Frhr. von Beust.
Der zweite, sich anschließende Paragraph ist den "Lohnverhältnissen etc. zu Ramsbeck" gewidmet. Er setzt mit einer Schilderung der Situation im Oberharz ein, und ist in dieser Einschätzung der Zukunftsaussichten für diesen Bergbau von Interesse, obwohl diese sicherlich nicht immer objektiviert worden ist. Es heißt dort:
"Seit längerer Zeit sind von meinen Landsleuten, den Harzern, vielfache Anfragen über die Verhältnisse des Bergbaues an mich gerichtet worden, der in hiesiger Gegend sich so rasch entwickelt, daher überall viel von sich reden macht und die Auswanderungslustigen zu bedenken veranlaßt, ob sie nicht vorziehen sollen, hier, noch auf Deutschem Boden, statt irgendwo jenseits des Meeres eine neue Heimat zu suchen. Alle diese Fragen mit einem Male zu beantworten, teile ich im Nachstehenden die Ansichten mit, welche ich während meines fünfmonatlichen Aufenthaltes in den hiesigen Bergwerks-Revieren, wo ich die obere Leitung der sämtlichen Maschinen-Bauten in Händen habe, teils durch eigene Anschauung, teils durch Mitteilungen von Tatsachen und Urteilen aus dem Munde mir als zuverlässig und zugleich sachverständig bekannter Personen gewonnen habe. Vorab bemerke ich, daß meine hiesige Stellung mir Gelegenheit gegeben hat, die Verhältnisse näher kennen zu lernen, als es Anderen vielleicht möglich werden möchte; daß ich bei dem Unternehmen persönlich durchaus nicht beteiligt bin und daher keinerlei Privat-Interesse habe, ob Harzer Bergleute nach hier oder nach Australien und Amerika auswandern. Da leider der Oberharzer Bergbau hauptsächlich seines Alters wegen immer schwieriger, mithin kostspieliger und minder ergiebig wird, andere Erwerbs-Quellen nicht in ausreichendem Maße an seine Stelle gesetzt werden können, so sehen sich die Harzbewohner schon seit längerer Zeit genötigt, in anderen Ländern eine bessere Zukunft für sich und ihre Familien zu suchen. Wie ich höre, nimmt die Auswanderungslust immer noch zu und wird von der Regierung durch Bewilligung von Geldmitteln begünstigt und neue Expeditionen nach fernen Weltteilen sollen für diesen Herbst wiederum bevorstehen.
Ich werde nie aufhören, an dem Schicksale des ehrwürdigen Gebirges, welches ich mit einem gewissen Stolze mein Vaterland nenne, und dem seiner Bewohner den wärmsten Anteil zu nehmen; deshalb verbinde ich bei Veröffentlichung des Nachstehenden mit dem oben bereits erwähnten Zwecke noch die Absicht, an Stelle der vielen unklaren, oft übertriebenen und einander widersprechenden Gerüchte und Ansichten, die auf dem Harze über den Ramsbecker Bergbau dem Vernehmen nach im Umlaufe sein sollen, eine der Wahrheit gemäße Darstellung bekannt zu machen. Vielleicht wird dadurch noch manchem genützt, der eben in Begriff steht, sein und seiner Familie Heil in weiter Ferne zu suchen, wo bittere Täuschung vielleicht bald an die Steile der ihn jetzt erfüllenden Hoffnungen tritt. Nach meiner Überzeugung kann ich im allgemeinen Berg-, Hütten- und Pochleuten nur anraten, lieber nach hier, als übers Meer auszuwandern, weil ihre Zukunft mir hier weit mehr gesichert erscheint, wenn auch so glänzende Aussichten nicht vorgespiegelt werden können, als z. B. von den Golddistrikten Kaliforniens und Australiens viele sich vorstellen. Sehr wesentlich scheint mir der Umstand, daß hier eben so geregelte staatliche Verhältnisse, nämlich Schutz für Personen und Eigentum herrschen, als in der bisherigen Heimat der Auswandernden.
Im Januar dieses Jahres besuchte ich die hiesige Gegend zum ersten Male, begierig, selbst zu sehen, wie viel sich als Wahrheit ergeben werde von dem, was mir erzählt worden in Betreff des Erzreichtums in den hiesigen Bergen und der großartigen Anlagen, die zu dessen Ausbeutung im Entstehen seien. Zu meinem Erstaunen fand ich, daß nur weniges von dem Fabel gewesen, was man mir mitgeteilt hatte und in manchen Punkten fand ich meine Erwartungen noch übertroffen. Die spätere genauere Bekanntschaft mit den hiesigen Verhältnissen hat dies lediglich nur bestätigt. Hauptsächlich Bleiglanz und Zinkblende kommen hier nicht in Gängen, wie auf dem Harz, sondern auf Lagerstätten vor, deren Streichen und Fallen mit der Schichtung des Gebirgs-Gesteins (Tonschiefer im Liegenden und Grauwacke im Hangenden) ganz konform ist. Diese Lagerstätten sind in ansehnlicher Zahl vorhanden und größtenteils auch bereits aufgeschlossen und zum Abbaue vorgerichtet, ihre Mächtigkeit beträgt ¼ , bis 2 Lachter, ihre Längen-Ausdehnung mehrere Wegstunden. Wie weit sie in die Tiefe setzen, ist noch nicht genauer ermittelt, weil Felder bis zu 160 Lachter flacher Teufe über der Talsohle bereits vollständig aufgeschlossen sind und damit so viel Abbau vorbereitet worden ist, daß selbst bei der beabsichtigten starken Förderung die Vorrichtung von Tiefbauen späteren Generationen überlassen bleiben kann. Übrigens ist kein Grund vorhanden, der befürchten ließe, daß die Lagerstätten in noch größere Tiefe nicht fortsetzen, oder nicht erzführend wären; im Gegenteil haben in neuester Zeit gemachte Erfahrungen zu den besten Hoffnungen in dieser Beziehung Anlaß gegeben. Fast durchweg sind sie erzführend und enthalten oft sehr mächtige Erz-Mittel; ja häufig enthält das Nebengestein noch fein eingesprengten Bleiglanz. Die Erze brechen hauptsächlich mit quarzigen Gesteinen zusammen, die Strosse ist daher sehr hart, vielleicht härter, als die meisten in den Oberharzer Gruben. Die Lagerstätten fallen meist so flach ein, daß die Firsten und Strossen ohne Fahrten befahren werden und das Hangende, wie schon erwähnt Grauwacke, ist so fest, daß Zimmerungen nur in seltenen Fällen erforderlich sind. Die Erzlager werden mittels Strecken angefahren, die gewöhnlich im Streichen derselben fortgetrieben und zugleich zur Förderung der Erze benutzt werden, welche man in den von diesen Strecken aus betriebenen Firstenbauten gewinnt. Die Berge werden beim Versetzen der abgebauten Firsten konsumiert. Weil man noch nirgends unter der Talsohle arbeitet und auch mutmaßlich in langer Zeit auf tiefere Baue nicht zu denken braucht, hat man mit der Wasserhaltung keine Not. Mit den Verhältnissen des Oberharzer Bergbaues verglichen, erscheint die hiesige nichts weniger als schwierig und kostspielig, denn auf Versuchsbaue hat man nicht nötig viel zu verwenden, weil fast alle Erzmittel durch Schürfe über Tage aufgeschlossen sind, oder aufgeschlossen werden können; der Abbau ist einfach, es bedarf dabei nicht der teuren Verzimmerungen und in tauben Mitteln wird nur seltener gearbeitet; Förderungs- und Wasserhaltungs-Maschinen sind nicht erforderlich, einfache Schienenwege und Hunde ersetzen die Ersteren und da die überflüssigen Wasser ihre Wege noch ohne künstliche Vorrichtungen allein finden, so sind die Letzteren entbehrlich.
Wenn diese glücklichen Umstände es möglich machen, die Erze ohne große Kosten zu gewinnen und dadurch die Rentabilität des Unternehmens sichern, so begründen die Anzahl und Ausdehnung der bereits bekannten Erzlagerstätten, zu denen immer noch neue hinzukommen, gerechte Hoffnungen auf Nachhaltigkeit des Bergbaues, selbst bei großen Förderungsmengen.
Die überaus günstigen Verhältnisse sind merkwürdigerweise bisher nicht hinreichend bekannt, oder nicht gehörig gewürdigt worden; denn obgleich der hiesige Bergbau schon seit sehr langer Zeit im Betriebe gewesen - die Venetianer sollen hier schon gearbeitet haben - so hat er doch nie zuvor Bedeutung gehabt. Es war der neuesten Zeit vorbehalten geblieben, das Versäumte nachzuholen und zwar in kurzer Zeit und in so großem Maßstäbe, wie es schwerlich irgendwo je zuvor geschehen.
Außer scharfsichtiger Erkennung des für Bergbau-Unternehmungen so fruchtbaren Feldes, war ein bedeutendes Kapital erforderlich, um dasselbe so bebauen zu können, daß es nutzbringend und dauernd zugleich wurde. Die Männer, welchen das Erstere gelungen war, haben auch das Zweite zu Stande gebracht, so das hiesige Unternehmen mit einem Grundkapital von 4 Millionen Thaler jetzt betrieben wird von einer Gesellschaft, die unter Sanktion des Staates sich auf lange Zeitdauer konstituiert hat, das öffentliche Vertrauen genießt und nach allem, was ich davon weiß und höre, mit vollem Recht verdient.
Der größere Teil der geförderten Erze besteht, wie bei den meisten Gruben in anderen Gegenden, aus Pocherzen und die Anlage und der Betrieb von Aufbereitungsanstalten ist notwendig, um die tunlichst vollständige Ausnutzung des Rohmaterials zu ermöglichen. 18 Pochwerke und Wäschen mit 208 Stempeln, einem Quetschwalzwerk und den zugehörigen Wasch- und Schlamm-Maschinen und Apparaten sind im Bau begriffen, teils sogar schon in Betrieb gesetzt und noch einige sollen im nächsten Jahr erbauet werden.
Zwei Silberhütten mit zusammen 60-80 Röstöfen, 34 Hochöfen und den erforderlichen Apparaten etc. zur Anreicherung, Entsilberung und Raffinierung des Bleis etc. werden die auf den Gruben gewonnenen Stufferze und die von den Pochwerken zu liefernden Schliche verschmelzen.
Die Blenden werden nach Dortmund geschafft, wo eine große Zinkhütte in der Nähe der dortigen reichen Steinkohlenlager dieselben verschmelzen wird. Als Rückladung bringen die Fuhrwerke Steinkohlen und Koks nach hier, welche den hiesigen Hütten als Brennmaterial dienen.
Es ist leicht zu ermessen, daß die hiesige im Allgemeinen wenig angebaute und daher nicht sehr stark bevölkerte Gegend, abgesehen von den äußerst geringen Talenten, weiche die hiesigen Einwohner zu den Arbeiten der Berg- und Hüttenleute an den Tag legen, nicht imstande ist, die für einen so ausgedehnten Betrieb erforderlichen Arbeitskräfte zu liefern und daher auf Einwanderung von außen her gleich von vornherein gerechnet werden mußte. Dazu war aber zunächst auf Herstellung geeigneter Wohnungen Bedacht zu nehmen und man hat den Bau von vorläufig 120 Häusern, deren jedes 8 von einander vollständig abgetrennte Familienwohnungen enthält, begonnen, welche bis zum Herbst zur Aufnahme von Einwandernden bereit sein werden. Diese Wohnungen sind teils hier dicht bei Ramsbeck, teils bei den verschiedenen anderen Werken; namentlich aber in drei größeren ganz neu gegründeten Bergdörfern errichtet, die mit der Zeit vielleicht noch zu Bergstädten emporblühen. Die Gesellschaft hat die Absicht, die neuerbauten Wohnhäuser nebst angemessenen Ländereien solchen einwandernden Berg- und Hüttenleuten, die es besonders wünschen und dabei besonderes Vertrauen verdienen, unter sehr billigen Bedingungen zunächst in Pacht zu geben, es denselben indes möglich zu machen, durch allmähliches Abtragen des Kapitals das Besitztum nach und nach als freies Eigentum erwerben zu können. Es soll ferner Sorge getragen werden, daß Leute derselben Nationalität und desselben Religionsbekenntnisses beisammen wohnen und ihnen Kirche und Schule beschafft und erhalten werden.
Mit besonderem Vergnügen kann ich bei dieser Gelegenheit den Harzern mitteilen, daß bei der Gewerkschaft und deren Direktion sowohl, als bei den hiesigen Einwohnern günstige Vorurteile nicht allein für Bergleute aus Sachsen, Thüringen, Schlesien und Böhmen bestehen, sondern auch namentlich Harzer Bergleute hier sehr gern gesehen werden. Sollte eine größere Zahl von ihnen hier einwandern wollen, so wird das eine, besonders freundlich gelegene, eine gute halbe Stunde von hier entfernte Dorf mit dem Namen "Neu-Andreasberg" mit Harzern besetzt werden. Es ist ferner beschlossen, den Berg-, Hütten- und Pocharbeitern in Bevorzugung gegen andere Leute hier außer den sonst üblichen dasselbe Benefiz in Betreff des Brotkorns zu gewähren, welches sie am Harze genießen, so daß also bei einem Marktpreise von mehr als 1 Taler per Himten, oder 1 Taler 20 Silbergroschen per Scheffel, die Beweibten so viel als 2 Himten und die Unbeweibten die Hälfte vierwöchentlich zu dem Preise von 22 ½ Silbergroschen (= 18 Gutegroschen) pro Himten erhalten.
Jedem Berg-, Hütten- oder Pocharbeiter im Alter von 18 Jahren und darüber werden 6 Taler Reisekosten vergütet und wer Behufs Übersiedlung seiner Familie und Effekten eines Vorschusses bedarf und verlangt, soll diesen unter der Bedingung des allmählichen Wiederabverdienens erhalten.
Die Lohnverhältnisse stehen hier wie folgt: Bergleute arbeiten, wenn sie Hauer und so lange sie nicht Bergfertige sind, fast ausschließlich im Gedinge und verdienen im Durchschnitt 20 Silbergroschen täglich, mithin 4 Taler die Woche. Häufig kommen sie höher aufs Lohn und mitunter bringen es einige bis 1 Taler per Tag. Sie müssen 8-stündige Schichten verfahren, haben aber, wie oben schon erwähnt, keine Schächte zu steigen und in der Regel sehr kurze Anfahrwege.
Pocharbeiter werden mit 6 bis 15 Silbergroschen, also mit 1 Taler 6 Silbergroschen bis 3 Taler pro Woche bezahlt und werden außerdem noch Gelegenheit finden, durch Überstunden und Akkordarbeiten ihren Verdienst höher zu bringen.
Hüttenarbeiter erhalten 12 bis 24 Taler monatlich, je nachdem sie Tagelöhner, Vorläufer, Schmelzer, Silberabtreiber usw. sind.
Die Preise der Nahrungsmittel sind nach dem, was ich darüber erfahren habe, gewöhnlich hier nicht höher, ja für manche Artikel, z. B. Butter, Schinken u. dgl. billiger, als auf dem Harze. Die jetzige Zeit, wo überall teure Preise herrschen, kann natürlich dafür nicht maßgebend sein; sie sind aber dennoch hier nicht so hoch, als man bei der Anwesenheit von 4 bis 5.000 Arbeitern, welche bei den Bauten beschäftigt sind, denken sollte. Es ist dies wahrscheinlich aber auch eine Folge der Fürsorge der Gewerkschaft, welche Korn, Mehl, Erbsen, Bohnen, Linsen, Graupen, Reis und dgl. fortwährend in größeren Quantitäten aus direkter Quelle angekauft hat und zur Wiederabgabe an die Arbeiter zum Einkaufspreise im hiesigen Magazin beständig davon Vorräte hält. Seit längerer Zeit besteht auch schon eine gewerkschaftliche Brotbäckerei hier, aus der Beamte sowohl, als Arbeiter fortwährend ihren Bedarf erhalten. Die Anlage einer größeren Mahl- und Ölmühle liegt im Plane und die Errichtung einer Schlachterei wird beabsichtigt. Diese äußerst wohltätigen Institute werden auch fortbestehen, wenn die Bauten vorüber sind, und jeder, der im Dienst der Gewerkschaft steht, ist berechtigt, gegen Lohnabzug am Monats-Schlusse aus dem Magazin Lebensmittel zu empfangen, ohne indes verpflichtet zu sein, sie dort entnehmen zu müssen.
Ein ausschließlich gewerkschaftlicher Arzt ist seit längerer Zeit bereits in Funktion, in den entlegeneren Revieren werden Ärzte der nächsten Ortschaften für Behandlung der kranken Bergleute etc. honoriert und freie Arznei, sogar Verpflegung und Hospitale, welches jetzt schon in einem provisorisch dazu errichteten Lokal besteht und wozu ein besonderes großes Gebäude im Baue begriffen ist, wird solchen Kranken gewährt, die es wünschen oder in ihren Wohnungen die gehörige Wartung nicht haben können. Für dieses Benefiz hat jeder Arbeiter vom Taler Lohnverdienst 6 Silberpfennige, oder l/.. seines Verdienstes der Krankenkasse zu zahlen, aus welcher in besonderen Fällen auch noch bare Geldunterstützungen verabreicht werden.
Auch zu erlaubten Vergnügungen und Belustigungen des Berg- und Hüttenpersonals werden seitens der Direktion Mittel und Gelegenheit gegeben werden. So ist die Errichtung eines Berg-Musik-Corps bereits bewilligt, die Vereinigung und Einübung der jüngeren Leute zu HornistenKompagnien und Gesangsvereinen wird gestattet und unterstützt werden, eben so wenn die älteren Männer zu Schützengesellschaften zusammentreten wollen. Eine Bergfahne ist bereits in Arbeit, zu deren Einweihung in diesem Herbst noch ein so genanntes Bergbier von der Gesellschaft gegeben werden soll.
Die hiesige Gegend ist im Ganzen freundlich und hat Ähnlichkeit mit dem Unterharze. Das Klima ist vielleicht etwas rauher als das am Unterharze, indes milder als auf dem Oberharze. Roggen wächst wenigstens sehr gut und es scheint der Boden zum Gemüsebau sich zu eignen. Fleißige Hände scheinen den Äckern hier noch sehr zu fehlen und da die hiesigen Einwohner mit Brot und Kartoffeln sich begnügen, sieht man nur erst wenige Gärten. Die Talgründe bestehen fast überall aus schönen Wiesen, die nie gedüngt, sondern nur von Zeit zu Zeit bewässert werden.
Die Naturalisation hier zu erlangen hält nicht schwer. Es bedarf dazu nur eines Zeugnisses über die Unbescholtenheit des Anziehenden, über die Dispositionsfähigkeit und darüber, daß er seiner Militärpflicht entweder genügt habe, oder davon befreit sei, so wie endlich eines Nachweises, daß derselbe mindestens für die Dauer eines Jahres in dem neuen Wohnorte die nötigen Subsistenz-Mittel finden wird. Den ersten Schein werden die etwa nach hier zu übersiedeln beabsichtigenden Harzer von ihren Behörden leicht erhalten können und den anderen wird die hiesige Gewerkschaft besorgen. Eine Hauptfrage wird immer noch die bleiben: wie sieht es aus mit Gnadenlohn und Pension, namentlich für Witwen und Waisen?' Als Antwort hierauf lasse ich das vom Preußischen Staate neu erlassene Knappschafts-Gesetz vom 10. April d. J. hierunter folgen.
Das wäre, was ich eben über die Lage der Dinge hier zu sagen wüßte, und ich hoffe, es wird für den Zweck genügen. Ich kann nur wiederholen, daß alle mitgeteilten Einzelheiten aus durchaus zuverlässiger Quelle geschöpft worden sind und nur das von mir mitgeteilt worden ist, von dessen Wahrheit ich wenigstens selbst vollständig überzeugt bin ...
Ramsbeck in Westfalen, 1. August 1854